Leserbrief zum Artikel in der Berliner Zeitung: "Als ob es plötzlich Liebe wäre"

17.02.2010: Zum Umgang mit sexuellen Wünschen und Handlungen im Rahmen der Psychotherapie

Artikel in der Berliner Zeitung: www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0123/wissenschaft/0005/index.html

"Als ob es plötzlich Liebe wäre" beschreibt das Problem des sexuellen Missbrauchs in der Psychotherapie.

Die Psychotherapeutenkammer Berlin unterstützt die Zielrichtung des Artikels vorbehaltlos. Jeder Therapeut verletzt im Moment der Aufnahme einer sexuellen Beziehung zu einem Patienten ein striktes ethisches Gebot. Vor allem ist es aber immer eine Verletzung des Vertrauens des Hilfesuchenden. Der psychotherapeutische Dialog bringt die Beteiligten oft in eine große Intimität. Es kann eine starke sexuelle Spannung entstehen. Dann darf Sexuelles in einer Therapie nicht ausgeklammert werden. Es muss akzeptiert, verstanden und analysiert werden, auch in der Beziehung zwischen Klient und Therapeut. Es ist die Aufgabe des Therapeuten, die Grenzen zu wahren und sorgfältig mit den Liebeswünschen und der Abhängigkeit des Klienten umzugehen. Dazu braucht er genügend Distanz und wohlwollende Neutralität.

Die sexuelle Abstinenz ist sowohl zum Schutz des Klienten als auch für die Glaubwürdigkeit und den inneren Halt des Therapeuten eine unverzichtbare Prämisse.

Leider erweckt der Artikel den Eindruck, dass die Psychotherapeuten die Kollegen, die sich schuldig gemacht haben, decken würden. Dies ist ausdrücklich nicht der Fall. Es waren Psychotherapeuten, wie u. a. Frau Becker-Fischer, die dafür sorgten, dass diese Vergehen unter Strafe gestellt wurden (§174c StGB). Alle psychotherapeutischen Verbände und Psychotherapeutenkammern haben Gremien, die für diese ethischen Fragen zuständig sind. Es kann im Einzelfall schwierig sein, ein Vergehen genau nachzuweisen. Ist die Schuld jedoch eindeutig erwiesen, drohen den Kollegen harte Strafen, bis hin zum Entzug der Approbation. Die Psychotherapeuten haben ein Interesse an der Aufklärung solcher Fälle, sowohl für die ihnen anvertrauten Patienten, als auch für die eigene Zunft.

Pilar Isaac-Candeias, Vorstand

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