Lange Zeit galt es in unserem Land als gesellschaftlicher Konsens, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter ein erstrebenswertes Ziel ist, so steht es auch im Grundgesetz. Das verändert sich schleichend. Die globalen Krisen verunsichern und ängstigen und so können wir auf vielen Ebenen eine gesellschaftliche Regression beobachten. Das geht einher mit autoritären Sehnsüchten, verschwörungsideologischen Denkmustern, rassistischen Ressentiments, der Unterdrückung von Minderheiten und Andersdenkenden und der Angst, bestehende Privilegien abzugeben. Antifeminismus geht über die Ablehnung feministischer Positionen weit hinaus. Er beinhaltet eine Regression zu totalitären Denkmustern und richtet sich aktiv gegen den gesellschaftlichen Wandel, die Vielfalt und demokratische Gleichheit aller Menschen. Antifeministische Einstellungen und Narrative gewinnen zunehmend an Sichtbarkeit und Anschlussfähigkeit, weit in die gesellschaftliche Mitte hinein. Sie sind ein Bindeglied (Brückennarrativ) zwischen unterschiedlichen extremistischen Ideologien. Antifeministische und autoritäre Narrative erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen: Sie bieten Erklärungsansätze, stiften Gemeinschaft und vermitteln vermeintliche Sicherheit oder Überlegenheit. Sie bedienen reale Bedürfnisse (Orientierung, Zugehörigkeit, Würde), geben aber gefährliche Antworten und führen so zur Legitimation von Ausgrenzung und Ungleichheit.
Auch psychotherapeutische Räume bleiben von diesen Entwicklungen nicht unberührt. Dabei stellt sich die Frage, wie diesen gesellschaftlichen Themen in der Therapie angemessen Raum gegeben werden kann. Welche individuellen Erfahrungen, Bedürfnisse und Konflikte stehen hinter solchen Haltungen? Welche Funktionen erfüllen sie, und wie wirken sie sich auf Lebensrealitäten und die therapeutischen Prozesse aus?
Der Fachtag möchte Ihnen eine Plattform bieten, sich mit diesen demokratiegefährdenden Dynamiken auseinanderzusetzen, diese soziologisch und psychologisch besser zu verstehen und Handlungsmöglichkeiten für die eigene Praxis zu entwickeln. Es erwarten Sie eindrucksvolle Keynotes, praxisorientierte Workshops und ein interessantes Abschlusspanel.
Diese Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen der Psychotherapeutenkammer Berlin und dem Projekt SiT – Stark in Therapie und Weltanschauungsfragen des IZRD e. V. (Interdisziplinäres Zentrum für Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung). Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert und ist daher für Sie kostenlos. Der Fachtag ist mit 6 Fortbildungspunkten zertifiziert.
Die Fortbildung findet am Samstag, den 13.06.2026 im Refugio, Lenaustraße 3-4, 12047 Berlin statt.
Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Es können 120 Interessierte teilnehmen. Vermutlich wird das Kontingent schnell ausgebucht sein.
Das Programm finden Sie unter dem nachfolgenden Link.
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