Betriebliche Prävention gewinnt rasant an Bedeutung – und eröffnet neue Perspektiven für die Psychotherapie. Die Kommission Betriebliche Prävention der PtK Berlin zeigt zum Abschluss ihrer Arbeit, was in den letzten Jahren erreicht wurde und welche Chancen sich künftig für das Berufsfeld ergeben.
Das Themenfeld Betriebliche Prävention wird in der Psychotherapeutenkammer Berlin schon seit vielen Jahren engagiert begleitet. Erste Impulse für eine Kommission dazu reichen bis 2010 zurück, ab 2014 wurde das Thema in einem Arbeitskreis vorangetriebenund schließlich in die Kommissionsarbeit überführt.
Schwerpunkte 2018–2022: Fokus auf Auszubildende
In der Legislaturperiode 2018 bis 2022 stand die psychische Gesundheit von Beschäftigten im Mittelpunkt – insbesondere von Auszubildenden, deren Situation sich während der Corona-Pandemie zuspitzte. Ziel war die frühzeitige Erkennung und Prävention psychischer Belastungen.
Fachgespräche und ein Webinar mit der IHK Berlin zeigten: Betriebe sind sensibilisiert, fühlen sich jedoch oft unsicher im Umgang mit betroffenen Jugendlichen. Es fehlt an konkreten Unterstützungsangeboten und Qualifizierungsmöglichkeiten.
Als Antwort entwickelte die Kommission das PAC-Curriculum (Prävention-Auszubildende-Curriculum) – ein praxisnahes Präventionskonzept, das Auszubildenden Kompetenzen zur Selbstwahrnehmung und Stressbewältigung vermittelt und zugleich Ausbilder*innen durch Schulungen einbindet.
Seit 2022: Betriebliche Prävention als Berufsfeld
Mit der personellen Erweiterung der Kommission 2022 – neben den bisherigen Mitgliedern Archontula Karameros, Brigitte Kemper-Bürger, Henning Schroll und Ute Meybohm traten Sandra Cotta und Tim Niebuhr bei – rückte ein neuer Schwerpunkt in den Fokus: betriebliche Prävention als eigenständiges Tätigkeitsfeld für Psychotherapeut*innen.
Dieses Feld bewegt sich an der Schnittstelle von Prävention, Beratung und Behandlung und erfordert neben klinischem Wissen auch Kenntnisse betrieblicher Strukturen. Die Kommission führte hierzu zahlreiche Gespräche mit Akteur*innen aus Unternehmen, Krankenkassen und Rentenversicherung und intensivierte die Vernetzung auf Bundesebene.
Rolle der Kammer: Orientierung und Rahmen
Veranstaltungen zum Thema zeigen das große Interesse am Arbeitsfeld. Deutlich wurde ein hoher Bedarf an Orientierung – etwa beim Aufbau von Unternehmenskontakten oder der Entwicklung eines eigenen Profils. Die Kommission sieht hier die Rolle der Kammer vor allem in der Entwicklung von Qualitätsstandards, der Information über Entwicklungen sowie der Förderung von Vernetzung.
Ausblick: zentrale Ziele für die künftige Arbeit
Die betriebliche Prävention gewinnt weiter an Bedeutung und verlangt zunehmend psychotherapeutische Expertise. Gleichzeitig ist das Feld wettbewerbsintensiv und erfordert unternehmerische Kompetenzen, die bislang wenig Teil der Ausbildung sind. Für die Zukunft formuliert die Kommission darum klare Schwerpunkte:
- stärkere politische Verankerung psychotherapeutischer Kompetenz in der Gefährdungsbeurteilung
- Ausbau der bundesweiten Vernetzung
- weitere Klärung der Rolle der Kammer
- Förderung von Netzwerken interessierter Mitglieder
Die Kommission hat in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen geschaffen – von innovativen Präventionsansätzen bis zur strategischen Positionierung eines neuen Berufsfeldes. Nun gilt es, diese Entwicklung fortzuführen und die psychotherapeutische Expertise in der Arbeitswelt nachhaltig zu stärken.