Von der Vergütung ambulanter Psychotherapie über die Weiterbildung bis zum Versorgungswerk: Die Delegiertenversammlung der PtK Berlin diskutierte zentrale aktuelle Themen für den Berufsstand und die Patient*innenversorgung.
Die Delegiertenversammlung (DV) der Psychotherapeutenkammer Berlin am 24. März 2026 stand im Zeichen zentraler berufspolitischer Herausforderungen. Im Mittelpunkt standen gesundheitspolitische Reformvorhaben wie das Primärversorgungsmodell, aktuelle Entwicklungen zum Versorgungswerk sowie die geplanten Honorarkürzungen für ambulante psychotherapeutische Leistungen.
„Die Honorarkürzungen sind falsch“
Kammerpräsidentin Eva Schweitzer-Köhn informierte über den Beschluss des erweiterten Bewertungsausschusses zur Vergütung psychotherapeutischer Leistungen. Grundlage des Beschlusses ist ein Vergleich des Ertrags maximal ausgelasteter psychotherapeutischer Praxen mit dem durchschnittlichen Ertrag eines fachärztlichen Referenzmix aufgrund eines BSG-Urteils aus dem Jahr 1999, in dem erstmals die Mindestvergütung für zeitgebundene und genehmigungspflichtige psychotherapeutische Leistungen festgelegt wurde. Nach dieser Vergleichsberechnung seien die Honorare der Psychotherapeut*innen in den vergangenen Jahren regelmäßig gestiegen, nach Meinung des erweiterten Bewertungsausschusses überproportional. Dieser beschloss darum in diesem Jahr eine Absenkung um 4,5 Prozent. Gleichzeitig wurde der Strukturzuschlag, der für die Finanzierung von Praxispersonal bei voll ausgelasteten Praxen gedacht ist, rückwirkend ab 01. Januar 2026 um 14,5 Prozent erhöht. Unter dem Strich ergibt sich eine reale Minderung von etwa 2,8 Prozent bei voller Auslastung.
Schweitzer-Köhn kritisierte diese Entscheidung deutlich: „Die Kürzungen sind falsch! Psychotherapeut*innen gehören weiterhin zu den am schlechtesten vergüteten Gruppen der ambulanten Versorgung und sind aufgrund des hohen Anteils gesetzlich Versicherter besonders betroffen. Rund 90 Prozent ihrer Einnahmen stammen aus der GKV. Gleichzeitig steigt der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung, besonders bei Kindern und Jugendlichen.“ Die Einsparungen für die Krankenkassen seien dagegen marginal. Zugleich verursachten psychische Erkrankungen erhebliche volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsausfälle und Produktivitätsverluste.
Kammer-Resolution gegen die Honorarkürzungen
Die Kammer unterstützt Aktivitäten wie Kundgebungen, Petitionen und juristische Schritte gegen die Kürzungen, führt im Hintergrund Gespräche mit den politisch Verantwortlichen, äußert in Medienbeiträgen ihre Kritik, nimmt an Protesten teil.
Die Delegiertenversammlung hat zudem eine Resolution gegen die geplanten Honorarkürzungen (auf der Website hier und als Pressemitteilung hier zu finden) verabschiedet, in der sie das Bundesministerium für Gesundheit auffordert, diesen Beschluss zu beanstanden.
Alle aktuellen Informationen rund um das Thema, Termine zu Protestaktionen sowie weiterführende Links finden Interessierte auf der Website der PtK Berlin unter dem Themenschwerpunkt "Honorarkürzungen".
Neue Aktionen zur Finanzierung der Weiterbildung
Ein weiterer Schwerpunkt war die Finanzierung der Weiterbildung. Vorgestellt wurden die geplanten Aktivitäten der Task Force der Bundespsychotherapeutenkammer, darunter ein Aktionsmonat im Mai mit zentralen und regionalen Demonstrationen sowie politischen Gesprächen, um den Reformbedarf zu verdeutlichen.
Zudem berichtete Schweitzer-Köhn über ihre Anhörung im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses von Berlin, bei der insbesondere die Versorgungssituation und Ausbildungskapazitäten thematisiert wurden.
Zum Versorgungswerk informierte der Vorstand über den Stand des angestrebten Anschlusses an die Bayerische Versorgungskammer. Die notwendigen Prüfprozesse in der Senatsverwaltung laufen, begleitet von Gesprächen und einer fortlaufenden Bewertung aktueller Entwicklungen.
Auch stellte der Vorstand wichtige Informationen zur bevorstehenden Kammerwahl vor, über die wir im Folgenden gesondert berichten und zu der wir unter dem Menüpunkt „Kammerwahl 2026“ fortlaufend Informationen auf der Website bereitstellen.
Geschlossenes Engagement für die Interessen der Psychotherapeut*innen
Insgesamt verdeutlichte die Sitzung die Vielzahl der Herausforderungen, denen sich der Berufsstand der Psychotherapeut*innen aktuell gegenübersieht. Zugleich unterstrich die Delegiertenversammlung den gemeinsamen Willen, die Interessen der Psychotherapeut*innen geschlossen zu vertreten und die Versorgung der Patient*innen nachhaltig zu sichern.