Erstmals haben Psychotherapeutenkammer Berlin, Kassenärztliche Vereinigung Berlin, Berliner Krankenhausgesellschaft und Ärztekammer Berlin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz ihre Sorge um die medizinische Versorgung in der Hauptstadt geäußert. Anlass ist das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, mit dem Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) die gesetzlichen Kassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten will.
Unverhältnismäßige Kürzungen in der Psychotherapie
Eva Schweitzer-Köhn, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Berlin, machte die Schief-lage des Vorhabens deutlich: „Psychische Erkrankungen sind Volkskrankheiten: 27 Prozent der Erwachsenen in Deutschland erleiden einmal im Jahr eine psychische Erkrankung. Gleich-zeitig macht die ambulante Psychotherapie gerade einmal rund 0,7 Prozent der GKV-Gesamtausgaben aus. Und genau hier wird noch gekürzt."
Die geplanten Maßnahmen – darunter Budgetierung, der Wegfall von Kurzzeittherapie-Zuschlägen und bereits vollzogene Honorarkürzungen von 4,5 Prozent zum 1. April – träfen eine Versorgung, die schon jetzt am Limit arbeitet. Für Berlin bedeute allein die Budgetierung 8,5 Millionen Euro weniger für psychotherapeutische Versorgung, so Schweitzer-Köhn. Hinzu kämen durch den Wegfall der Zuschläge für die ersten 10 Stunden Kurzzeittherapie weitere 6,3 Millionen Euro, die der Versorgung fehlen.
Die Kammer-Präsidentin warnte vor den Folgekosten: „Die geplanten Kürzungen sind keine Sparmaßnahme – sie sind eine Kostenverlagerung. Wer vorne kürzt, zahlt hinten drauf." Unbehandelte Erkrankungen chronifizierten, Krankenhäuser füllten sich, und die Kranken-geldausgaben – 2025 bundesweit auf einem Rekordhoch von 21,6 Milliarden Euro – stiegen weiter.
Forderungen der PtK Berlin an die Politik
Eva Schweitzer-Köhn stellte auch klare Forderungen an die Politik: „Verankern Sie die extra-budgetäre Vergütung gesetzlich, erhalten Sie die Zuschläge für die Kurzzeittherapie sowie die Vergütungsregelungen nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz, setzen Sie die im Koalitionsvertrag vereinbarte Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche um und sichern Sie endlich die Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung, um den drohenden eklatanten Fachkräftemangel zu verhindern. Nehmen Sie die realen Folgen dieses Gesetzes für die Patientenversorgung zur Kenntnis."
Auch die anderen Organisationen schlossen sich der Kritik an: Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin kritisierte, die Leistungskürzung lasse die Strukturen unangetastet – ob-wohl eine Umstrukturierung notwendig sei, um die Spitzenmedizin zu erhalten. Burkhard Ruppert, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin warnte vor längeren Wartezeiten und Personalabbau in Praxen: „Es wird in den Praxen zu ganz massiven Einschränkungen führen. Dann geht es 97 Prozent der Patienten schlechter.“ Brit Ismer, Vorsitzende der Berliner Krankenhausgesellschaft bezeichnete die Maßnahmen als „großen Affront gegen die Beschäftigten“ und warnte, es könnten ganze Fachrichtungen oder gar Klinik-Standorte geschlossen werden.
Die gemeinsame Pressemitteilung zu den GKV-Sparvorschlägen finden Sie hier.