Neues Positionspapier verlangt gesetzliche Regulierung, Smartphone-freie Zonen in Schulen und Präventions- und Aufklärungsprogramme unter Einbeziehung psychotherapeutischer Expertise
Berlin, 12. Januar 2026 – Die Psychotherapeutenkammer Berlin schlägt Alarm: Angesichts der dramatisch zunehmenden psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen hat die Kammer heute ein umfassendes Positionspapier zum Einfluss sozialer Medien und auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. Darin wird die exzessive und unregulierte Nutzung sozialer Medien als eine der Hauptursachen für die Krise identifiziert und ein Bündel an konkreten Maßnahmen für Politik, Plattformbetreibenden und Gesellschaft gefordert.
Studien zeigen Ausmaß riskanten Nutzungsverhaltens
Aktuelle Studien zeichnen ein düsteres Bild: Laut einer DAK-Studie zeigen bei den 10- bis 17-Jährigen bereits 21,1 Prozent ein riskantes und weitere 4,7 Prozent ein klinisch pathologisches Nutzungsverhalten im Umgang mit sozialen Medien. Die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer liegt bei Jugendlichen bei über dreieinhalb Stunden.
Die Folgen, die Psychotherapeut*innen in ihren Praxen täglich beobachten, reichen von Depressionen, Angst- und Schlafstörungen über soziale Isolation bis hin zu Körperbild- und Essstörungen.
Anna Heike Grüneke, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Vorstandsmitglied der Psychotherapeutenkammer Berlin, erläutert die Beobachtungen aus der psychotherapeutischen Praxis:
"Was als verheißungsvolles Versprechen globaler Vernetzung begann, zeigt heute oftmals ein anderes Gesicht: soziale Isolation, Ängste, depressive Verstimmungen und Rückzugstendenzen prägen zunehmend den Alltag vieler junger Menschen. Der suchterzeugende Charakter sozialer Medien ist inzwischen wissenschaftlich gut belegt."
Ethisch fundierte Strategien und konkrete Schutzräume dringend nötig
Das Positionspapier der Kammer will jedoch nicht bei der Problembeschreibung stehen bleiben, sondern fordert ein konsequentes und gemeinsames Handeln aller verantwortlichen Akteur*innen.
"Es hilft nicht, soziale Medien zu verteufeln. Aber es hilft auch nicht, ihre Risiken zu ignorieren", so Grüneke. "Was wir brauchen, sind klare, ethisch fundierte Strategien und konkrete Schutzräume – sowohl digital als auch analog –, die Heranwachsenden eine entwicklungsfördernde Umgebung bieten. Jedes Kind und jede*r Jugendliche verdient es, in einer Welt aufzuwachsen, die die psychische Gesundheit schützt – online wie offline."
Die wichtigsten Forderungen der Psychotherapeutenkammer Berlin
- Schaffung evidenzbasierter Präventionsprogramme für Schulen und Familien unter Einbindung der Kompetenz von Psychotherapeut*innen
- Durchsetzung gesetzlicher Regeln, insbesondere in Bezug auf Datenschutz, Altersbeschränkungen und gefährdende Inhalte.
- Verbot von suchtfördernden Designs wie Endlos-Scrollen oder Autoplay für Minderjährige.
- Smartphone-freie Zonen in Schulen und Bildungseinrichtungen.
- Aufklärungsprogramme für Eltern, Kinder und Lehrkräfte, die Risiken und Schutzmöglichkeiten aufzeigen und klare, alltagstaugliche Regeln für den Medienkonsum vermitteln.
- Ausbau von Versorgungskapazitäten durch eine separate Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen.
Das vollständige Positionspapier finden Sie unten zum Download.
Über die Psychotherapeutenkammer Berlin
Die Psychotherapeutenkammer Berlin ist die gesetzliche Berufsvertretung aller rund 6.500 approbierten Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen im Land Berlin. Die Kammer engagiert sich im Rahmen verschiedener Gremien für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen - unter anderem mit dem Ausschuss Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und der Kommission KJP Prävention, die ein psychotherapeutisches Präventionskonzept für Kinder und Jugendliche entwickelt.
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