Berlin, 24. März 2026 - Psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen seit Jahren zu – oft bleiben sie lange unbemerkt und treffen auf ein Versorgungssystem mit knappen Ressourcen und langen Wartezeiten. Mit dem neuen präventiven Versorgungskonzept „Starke Hauptstadtkinder“ zeigt die Psychotherapeutenkammer Berlin (PtK Berlin), wie frühzeitige Un-terstützung dort ansetzen kann, wo alle Kinder erreicht werden: in der Schule.
„Viele Kinder wirken erschöpft, ziehen sich zurück oder können dem Leistungsdruck kaum noch standhalten. Psychische Belastungen beginnen oft leise – und genau deshalb müs-sen wir früher hinschauen und schneller handeln“, sagt Eva Frank, Mitglied des Vorstands der PtK Berlin.
Das Konzept ist Ergebnis der Arbeit der Kommission Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Prävention der PtK Berlin. Unter Leitung von Eva Frank arbeitete die Kommission von 2022 bis 2025 mit Expert*innen aus Wissenschaft, Senatsverwaltungen, Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin sowie dem Runden Tisch Kindergesundheit zusammen.
Psychische Belastungen beeinträchtigen auch die Lernfähigkeit
Multiple gesellschaftliche Krisen, unsichere Zukunftsperspektiven, steigender Leistungsdruck in der Schule sowie der Verlust stabiler Bindungs- und Beziehungsräume wirken sich zunehmend auf die psychische Gesundheit junger Menschen aus. Forschungsergebnisse zeigen zudem: Psychische Belastungen beeinträchtigen die Lernfähigkeit erheblich.
Schule spielt eine Schlüsselrolle für Prävention und frühe Intervention. Sie ist Lebens- und Lernort, erreicht alle Kinder und macht psychosoziale Belastungen früh sichtbar. „Wer Bildung ernst nimmt, muss psychische Gesundheit mitdenken“, betont Frank.
„Starke Hauptstadtkinder“ setzt auf niedrigschwellige, unbürokratische und multiprofessionelle Unterstützungsangebote im Setting Schule – ohne Stigmatisierung und lange Wartezeiten. Vorgesehen sind kurze, flexible psychotherapeutische Beratungsangebote sowie psychoedukative Elemente, etwa zur Emotionsregulation – für Schüler*innen ebenso wie für Lehrkräfte.
Das Konzept orientiert sich am bayerischen Modell „Krisenfest“ und wurde unter fachlicher Mitwirkung der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin entwickelt, die es beim Runden Tisch Kindergesundheit eingebracht hat und sich auch um mögliche Finanzierungswege bemüht. Fachlicher Austausch mit der KV Bayern unterstützte den Entwicklungsprozess.
Angesichts der Tatsache, dass rund 50 Prozent aller psychischen Erkrankungen vor dem 15. und etwa 75 Prozent vor dem 21. Lebensjahr beginnen, sieht die PtK Berlin dringenden Handlungsbedarf. „Frühes Handeln kann Chronifizierungen verhindern und entlastet langfristig Kinder, Eltern und Schulen“, so Frank. „Mit ‚Starke Hauptstadtkinder‘ liegt ein umsetzbares Konzept auf dem Tisch – jetzt braucht es den politischen Willen, es in die Praxis zu bringen.“
Über die Psychotherapeutenkammer Berlin
Die Psychotherapeutenkammer Berlin ist die gesetzliche Berufsvertretung aller rund 6.500 approbierten Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen im Land Berlin. Die Kammer engagiert sich im Rahmen verschiedener Gremien für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen - unter anderem mit dem Ausschuss Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und der Kommission KJP Prävention, die ein psychotherapeutisches Präventionskonzept für Kinder und Jugendliche entwickelt.
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