Berlin, 06. Mai 2025 - Die psychische Gesundheit von Schüler*innen ist ein zentrales gesellschaftliches Thema. Aktuelle Studien zeigen, dass in Deutschland jedes fünfte Kind oder Jugendliche zwischen acht und 17 Jahren psychisch belastet ist, wie z.B. die COPSY- Studie von 2024, und das "Deutsche Schulbarometer" der Robert-Bosch Stiftung (2024) zeigen.
Laut dem Deutschen Schulbarometer haben Kinder und Jugendliche insbesondere Sorgen in Bezug auf ihre persönliche Zukunft, den Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit. Schulleistungsdruck spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle.
Die Ergebnisse der ersten Erhebungswellen des bundesweiten Monitors, der die psychosoziale Versorgung von Kindern und Jugendlichen in ambulanten psychotherapeutischen Versorgungsstrukturen sowie an Schulen abbildet, weisen auf einen steigenden Bedarf an Beratungslehrkräften, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie bei gleichzeitig unzureichender Bedarfsdeckung durch vorhandene Angebote hin. Darüber hinaus ist für Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen keine schnelle Versorgung durch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen außerhalb der Schule möglich. Sie warten oft monatelang auf eine ambulante Psychotherapie.
In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob psychotherapeutische Diagnostik und Behandlung direkt an der Schule stattfinden kann. Der Ausschuss für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie der die Psychotherapeutenkammer Berlin nimmt hierzu wie folgt Stellung:
Oben genannte Ergebnisse unterstreichen einen dringenden Handlungsbedarf. Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen sind – was den schulischen Kontext angeht – hierbei nicht explizit erste Ansprechpartner*innen. Psychotherapeutische Heilbehandlungen können sowohl aus finanziell-administrativer als auch aus inhaltlicher und damit eng verbunden intra- und interpersoneller Beziehungsdynamik nicht direkt an der Schule durchgeführt werden.
Da emotionale und/oder Verhaltensauffälligkeiten häufig zuerst im Schulalltag mit seinen umfassenden Herausforderungen sichtbar werden, kommt der Berufsgruppe der Lehrer*innen eine zentrale Bedeutung zu. Sie sollten durch unsere Profession Unterstützung bei der Wahrnehmung, Einordnung und dem Umgang mit psychischen Auffälligkeiten bekommen. Schulpsychologische und Inklusionspädagogische Beratungs- und Unterstützungszentren (SIBUZ) mit ihren umfänglichen Aufgaben bezüglich der Fortbildung von Pädagog*innen, der Ausbildung von Beratungslehrkräften, schulpsychologischer Supervision, Diagnostik und schulischer Reintegration müssen hier stärker herangezogen werden können – etwas, das eine personelle Aufstockung (auch bezüglich Kolleg*innen mit explizit psychotherapeutischer Kompetenz) der Zentren erfordert.
Darüber hinaus halten wir Präventionsangebote mit Inhalten zur mentalen Gesundheit, die direkt an den Schulen stattfinden, für wichtig und dringend angezeigt.
Hinsichtlich der psychotherapeutischen ambulanten Heilbehandlung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen fordern wir eine eigene Bedarfsplanung für diesen Bereich. Für laufende Psychotherapien mit Kindern und Jugendlichen, die bereits psychisch erkrankt sind, müssen die Bedingungen für Kooperation zwischen Psychotherapeut*innen und Schule verbessert werden. Parallel dazu müssen teilstationäre Angebote ausgebaut werden. Die Wartezeiten sind aktuell viel zu lang!