Anfang Mai versammelten sich in Travemünde die Delegierten des 48. Deutschen Psychotherapeutentages (DPT) – darunter 12 Delegierte plus einige Gäste unserer Kammer. Zwei intensive Tage lang tagte das Bundesparlament der Psychotherapeut*innen, Gastgeberin war die Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein.
Die berufspolitische Lage war dabei allgegenwärtig: Die zum 1. April 2026 umgesetzte Kürzung der ambulanten Psychotherapievergütung um 4,5 Prozent sowie das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, das unter anderem eine Budgetierung und den Wegfall von Kurzzeittherapie-Zuschlägen vorsieht, bestimmten Ton und Agenda.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther würdigte per Videobotschaft die Arbeit der Profession, räumte aber offen ein, dass die Honorarkürzung eine „große Herausforderung" darstelle, die auch den Landeslandtag beschäftige. Staatssekretär Dr. Olaf Tauras legte nach: Der wachsende Versorgungsbedarf spreche eine unmissverständliche Sprache. Die Länder hätten das Bundesgesundheitsministerium bereits aufgefordert, den Kürzungsbeschluss rechtsaufsichtlich zu überprüfen – und machten sich zugleich für eine Neuregelung der Weiterbildungsfinanzierung stark. Denn angesichts steigender Bedarfe brauche die Psychotherapie schlicht mehr Fachkräfte.
Die Einschnitte verschlechtern und verteuern das gesamte Gesundheitssystem
BPtK-Präsidentin Dr. Andrea Benecke brachte es auf den Punkt: Wer an einer hocheffizienten ambulanten Versorgung tiefe Einschnitte vornehme, verschlechtere und verteuere das gesamte Gesundheitssystem. „Das können wir nicht hinnehmen", so Benecke.
Nach dem Rücktritt von Sabine Maur als Vizepräsidentin im März, stand die Neuwahl auf der Tagesordnung des DPT. Neu ins Präsidium der BPtK gewählt wurde Cornelia Metge, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Sachsen, seit 2021 Beisitzerin im BPtK-Vorstand. Sie rief zur Geschlossenheit auf: In einer Zeit wachsender Unsicherheiten müsse die Profession entschlossen gemeinsam auftreten und Verantwortung übernehmen.
Der DPT verabschiedete acht Resolutionen – unter anderem zur Reform der Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche, zur Weiterbildungsfinanzierung, zum Schutz psychischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt, zur leitliniengerechten Versorgung von trans* Personen, gegen Hass und für eine vielfältige, sichere Gesellschaft sowie gegen das drohende GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das Versorgungsqualität und Fachkräftestruktur gleichermaßen gefährdet.