Es war eine besondere Sitzung: Am 30. Juni 2026 kam die Delegiertenversammlung der Psychotherapeutenkammer Berlin zu ihrer letzten Zusammenkunft in dieser Legislatur zusammen. Neben aktuellen Sorgen um Kürzungen und um die Zukunft der Weiterbildung stand diesmal auch ein Innehalten auf der Agenda – ein Rückblick auf fünf bewegte Jahre, bevor im Herbst die Kammerwahl ansteht.
Schon der Bericht zur Lage machte deutlich, wie sehr der Berufsstand unter Druck steht. Kammerpräsidentin Eva Schweitzer-Köhn schilderte, mit welcher Ausdauer gegen die Honorarkürzungen für ambulante Psychotherapie und die im Rahmen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes geplanten Kürzungen gekämpft wird: Nach der Kundgebung vor dem Bundesgesundheitsministerium und der Verbände-Demonstration im April blieb die ersehnte Kehrtwende jedoch aus – das Bundesgesundheitsministerium beanstandete den Beschluss des erweiterten Bewertungsausschusses nicht. Immerhin klagt die KBV vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, und am 8. Juni wurde eine Petition eingereicht. Der Protest geht weiter – die Delegierten werden nicht müde, für eine angemessene Vergütung zu kämpfen.
Zwei Gesetze, die aufhorchen lassen
Auch gesundheitspolitisch bleibt es turbulent. Beim GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz (BStabG) – das die Budgetierung bislang extrabudgetärer Leistungen sowie den Wegfall der Zuschläge für Kurzzeittherapien und TSVG-Fälle vorsieht – hat sich die Kammer mit der BPtK klar positioniert und sich mit einem Schreiben an Berlins zuständige Senatorin Dr. Czyborra gewandt. Nicht weniger Sorge bereitet das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG): Die BPtK warnt davor, dass Krankenkassen künftig Empfehlungen an ihre Versicherten aus automatisiert generierten Daten aus der elektronischen Patientenakte aussprechen könnten – ein Eingriff, der die heilkundliche Kompetenz und die Vertrauensbeziehung zwischen Behandelnden und Patient*innen untergraben könnte. Auch beim digitalen Versorgungseinstieg über die ePA-App und der digitalen Bedarfseinschätzung fordert sie, dass Behandelnde weiterhin selbst entscheiden können, wer wann einen Termin bekommt.
Weiterbildung und Versorgungswerk
Für die Finanzierung der Weiterbildung gingen im Aktionsmonat Mai bundesweit Menschen auf die Straße, unter anderem am 21. Mai in Berlin vor dem Bundestag – ein Zeichen, wie sehr dieses Thema den Berufsstand bewegt. Schweitzer-Köhn berichtete zudem zum Versorgungswerk: Der für den Anschluss an die Bayerische Versorgungskammer nötige Staatsvertrag wird in dieser Legislaturperiode wohl nicht mehr verabschiedet. Der Vorstand bedauerte dies, betonte aber, dies sei lediglich eine Verzögerung, keine Absage.
Resümee Dr. Lea Gutz: Engagement für Menschen in existenziellen Krisen
Vizepräsidentin Dr. Lea Gutz ließ ihre Legislatur Revue passieren – die geprägt war durch ihren Einsatz für eine bessere Versorgung für die Menschen in Berlin. Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit rief sie die Round Table Gespräche „psychosoziale Versorgung von Geflüchteten und Ersthelfer*innen" ins Leben und vertrat die PtK Berlin über die gesamte Legislatur hinweg am Runden Tisch Berlin "Gesundheitsversorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt“. Aus der Arbeit heraus sind Handlungsempfehlungen für die Praxis entstanden mit begleitenden Fortbildungsveranstaltungen. Frau Dr. Gutz brachte ebenso die Aufnahme der PtK Berlin in den Beirat Psychosoziale Notfallversorgung voran und setzt sich dort insbesondere für eine Verbesserung der Übergänge in die mittel- und langfristige Versorgung ein. Damit Betroffene von Gewalttaten in Berlin entsprechend dem Sozialen Entschädigungsrecht bei Bedarf schnelle Hilfen in den Berliner Traumaambulanzen finden können, vertrat Dr. Gutz das Anliegen der PtK Berlin, dass niedergelassene Praxen, insbesondere für Kinder und Jugendliche das Angebot bei Bedarf ergänzen können. Im gemeinsamen Landesgremium unter dem Vorsitz von Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, wurde außerdem erfolgreich auf den Beschluss der folgenden Empfehlungen hingewirkt: Die psychotherapeutische Weiterbildung in Kliniken sowie im institutionellen Bereich soll gefördert werden, ebenso wie die Aufnahme von psychotherapeutischen und ärztlichen Praxen als Teile der sozialen Infrastruktur in die Konzepte zur sozialen Infrastruktur von Berlin. Letzteres soll dem Mangel an geeigneten und finanzierbaren Praxisräumen entgegenwirken, der eine Bedrohung für die Niederlassung bedeutet.
Ein bewegender Rückblick der Präsidentin
Weil es die letzte DV vor der Kammerwahl war, nahm sich Eva Schweitzer-Köhn die Zeit, auf fünf Jahre Kammerarbeit zurückzuschauen. Sie erinnerte unter anderem an den Aufbau der Weiterbildungsabteilung samt neuer Weiterbildungsordnung und an die Einführung des elektronischen Heilberufeausweises, aber auch an Krisen, die die Legislatur prägten: die Corona-Pandemie, der Angriffskrieg gegen die Ukraine mit der Unterstützung Geflüchteter, die Klimakrise, zu der ein eigener Arbeitskreis begründet wurde. Die Kammerpräsidentin sprach auch über die engere Zusammenarbeit mit der KV Berlin sowie das Engagement für Vielfalt, etwa durch die Teilnahme am Diversity-Landesprogramm 2.0. Mit Blick nach vorn benannte Schweitzer-Köhn wichtige offene Fragen: Wie geht es weiter mit der Finanzierung der Weiterbildung? Wie positioniert sich die Berufsgruppe zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz? Wie lässt sich eine bedarfsgerechte psychotherapeutische Versorgung angesichts der drohenden massiven Einsparungen im Gesundheitssystem sichern? Mit Blick auf das Erreichte betonte sie, dass es sich lohne dran zu bleiben: Irgendwann höhle der Tropfen doch den Stein. Sie dankte allen Beteiligten für ihr Engagement über die gesamte Legislatur.
Würdigung langjährigen Engagements
Zudem stellten die Kinderschutzbeauftragte der Kammer, Andrea Kaden, sowie Anne Springer vom Redaktionsbeirat des Psychotherapeutenjournals kurz ihre Arbeit der vergangenen Jahre für die PtK Berlin vor. Die Delegierten dankten beiden mit sichtbarer Wertschätzung für ihr Engagement im Hintergrund.
Der Blick geht nach vorn
Der Vorstand informierte schließlich über den Stand der Vorbereitungen zur Kammerwahl 2026, einem der zentralen Tätigkeitsschwerpunkte der Geschäftsstelle im zweiten Halbjahr. So endete die letzte Delegiertenversammlung dieser Legislatur emotional: mit Stolz auf das gemeinsam Erreichte – und mit Entschlossenheit, für die Interessen der Psychotherapeut*innen und eine gute Versorgung der Patient*innen weiter einzustehen.