Berlin, 23. Juni 2026 - Die Psychotherapeutenkammer Berlin begrüßt jedes Engagement, das jungen Menschen in psychischen Belastungssituationen einen niedrigschwelligen Zugang zu Unterstützung ermöglicht. Mit großer Sorge beobachtet die Kammer jedoch, wie unter dem Label „Safe-Space-Apotheke" eine neue Parallelstruktur aufgebaut wird, während die eigentliche psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen seit Jahren unter strukturellem Druck steht und nun zusätzlich finanziell ausgehöhlt werden soll.
Die Kammer fordert, die vorhandenen bewährten Strukturen der Versorgung und Prävention zu stärken, statt parallele Angebote mit fachfremdem Personal zu finanzieren. Zur wirksamen Prävention zählen ausdrücklich auch: Jugendclubs, Schulsozialarbeit, Freizeit- und Familieneinrichtungen. Diese haben sich seit Langem als niedrigschwellige Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche mit Sorgen und Nöten bewährt. Ausgerechnet hier wird derzeit jedoch vielerorts gekürzt. Funktionierende Präventionsstrukturen durch ein neues, fachlich limitiertes Angebot zu ersetzen, ist keine Lösung, sondern eine Verschiebung des Problems.
Apotheken sind keine fachlich gleichwertigen Anlaufstellen
„Apotheken können nicht leisten, was nötig wäre – und benennen die Grenzen ihres Angebots offen: Sie können weder diagnostizieren noch therapieren. Sie können ein offenes Ohr bieten und an andere Stellen weiterverweisen. Das ist ein wertvoller, aber kein fachlich substituierender Beitrag. Genau diese fachliche Substanz, eine fundierte psychotherapeutische Diagnostik, die Indikationsstellung und die gezielte Steuerung von Patient*innen in Psychotherapie, Klinik oder geeignete Beratungsstellen, leisten approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen in der psychotherapeutischen Sprechstunde“, betont Eva Frank, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Vorstandsmitglied der Berliner Psychotherapeutenkammer. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet jenen Berufsgruppen, die über die fachliche Qualifikation zur Diagnostik und Behandlung verfügen, das Honorar gekürzt wird, während parallel neue, fachlich nicht gleichwertige Anlaufstellen aufgebaut werden. Wer Versorgungslücken schließen will, darf nicht ausgerechnet bei denen sparen, die diese Lücken kompetent schließen könnten.“
Der tatsächliche Hebel, um Versorgungsengpässe zu schließen, liegt in der längst überfälligen Reform der Bedarfsplanung für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Seit Jahren bilden die Planungszahlen nicht den realen Bedarf ab. Wartezeiten auf einen Therapieplatz von vielen Wochen oder Monaten sind die direkte Folge dieser politischen Untätigkeit.
Unsere Forderung an die Politik ist:
Statt in neue Parallelstrukturen zu investieren, müssen Bedarfsplanung und Honorierung der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie endlich an die Versorgungsrealität angepasst werden. Statt bei bestehenden Präventionsstrukturen wie Jugendclubs, Schulsozialarbeit und Familienberatung zu kürzen, müssen diese gezielt gestärkt und ausgebaut werden. Junge Menschen in psychischen Krisen brauchen keine zusätzlichen Wegweiser zu einem überlasteten System – sie brauchen ein System, das sie zeitnah und fachlich kompetent auffängt.
Über die Psychotherapeutenkammer Berlin
Die Psychotherapeutenkammer Berlin ist die gesetzliche Berufsvertretung aller mehr als 6.500 approbierten Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen im Land und vertritt deren Interessen in Politik und Gesellschaft. Ihre Aufgabe ist unter anderem die Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität des Berufsstandes und der Fort- und Weiterbildung.
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Nicole Sagener, Leiterin Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 30 8871400, E-Mail: presse@psychotherapeutenkammer-berlin.de